sicuro - Beratungsstelle für
Arbeitssicherheit des SBV

Organisationshandbuch

Die Sicherheitsorganisation sicuro basiert auf den Wegleitungen der EKAS- Richtlinie 6508 (ASA-Richtlinie / Richtlinie über den Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit). Nachstehend stellen wir Ihnen mögliche Wekzeuge vor, um die Anforderungen in Ihrem Betrieb umzusetzen. 

Vorlage: Vereinbarung zwischen Geschäftsführer und KOPAS (SiBe)

1. Kapitel klein duplicate duplicate duplicate

Um die Gefahrensituationen im Betrieb zu analysieren braucht es ein gezieltes Studium der Kenndaten zu den Unfällen. Diese sind z.B aus dem Suva Kundenset BUV und NBUV zu ermitteln, doch darin sehen wir nur die Anzahl der Unfälle gegenüber der Branche auf die letzten 6 Jahre bezogen.

www.unfallstatistik.ch

Aus der Unfallstatistik Branche 41A Bauhauptgewerbe sind keine Risiken zu sehen, höchstens die verletzten Körperteile.

Für eine detaillierte Aufschlüsselung der Ausfalltage braucht es eine interne Zusam-menstellung der Ausfalltage BUV und NBUV sowie Ursachen bzw. Gefahrensituatio-nen, die dazu geführt haben.

Analyse der Unfallprotokolle


waschhinweise klein

Aus den ermittelten Gefahrensituationen sollen nun die wesentlichsten 1 bis 2 Gefährdungen (die meisten Ausfalltage) sowie die Sicherheitsziele für das kommende Jahr erstellt werden, zur Vermeidung dieser Situationen bei einer bestimmten Tätigkeit. Diese Information übernimmt im wesentlichen der Geschäftsführer.

Geben Sie anfangs Jahr die Ziele Ihren Mitarbeitern bekannt

3. Schluessel klein

Die Funktion und die Aufgaben des KOPAS sind im Rahmen der Unternehmensorganisation zu definieren und zu kommuni-zieren. Insbesondere wenn der KOPAS die Funktion nicht zu 100% ausübt, ist es zu seiner Funktion in der Linie zu klären.

Darüber hinaus kann ein Organigramm mit den Schlüsselpersonen (namentlich) erstellt werden. Die Geschäftsleitung erstellt Vorgaben, mit den Aufgaben und Stellenprozenten die der KOPAS zu erfüllen hat. Die Beratungsstelle BfA schlägt ca. 20 Stellenprozente bei einem Betrieb mit 70 Mitarbeitern auf Grund der EKAS Richtlinie 6508 vor (Seite 18). Dies hängt vom Stellenbeschrieb des jeweiligen Betriebes ab. Es gibt zahlreiche Stellenbeschriebe für KOPAS im Internet, aber bei allen fehlen die zu erbringenden Stunden.

4. Ausbildung... klein

Dieses Kapitel ist eines der wichtigsten, denn schlussendlich läuft es meistens auf eine organisatorische Massnahme hinaus. Hier unterscheidet man drei Punkte:

Ausbildung (Schulung)

Ausbildung / Schulung ist die Vermittlung theoretischer und praktischer Kenntnisse zu einem umfassenden Thema. Bei einer Ausbildung wird das Wissen und Erlernte noch durch eine Prüfung abgefragt und der Mitarbeiter ist nun in der Lage andere Mitarbeiter im Betrieb zu informieren und instruieren. Ausbildungen sind nötig bei der Arbeit mit besonderen Gefahren, wie z.B. Führen von Flurförderzeugen (Stapler) und Hubarbeitsbühnen / Führen von Kranen und Baumaschinen / Arbeiten mit Kettensäge / Arbeiten mit PSAgA / Umgang mit Asbest etc.

Beispiel: Ausbildung zum Kranführer und Prüfung durch eine anerkannte Ausbildungsstätte.


Instruktion

Instruktion ist eine praktische Anleitung zu einer einzelnen Tätigkeit. Sie erfolgt in der Regel am Arbeitsplatz. Unter „Instruktion“ wird ein Thema „ schrittweise, mit Feedback geübt, in der die zu lernenden Fähigkeiten vom Instruktor präsentiert, in Anleitung mit dem Mitarbeiter repetiert und letztendlich so lange geübt wird, bis sich eine hohe Auto-matisierung zeigt.

Beispiel: Sicherheitsparcours


Information

Mit einer Information wird gezielt Wissen weitergegeben, damit der Mitarbeiter die erforderlichen Grundkenntnisse erlangt, um eine Arbeit korrekt auszuführen.

Beispiel: Information durch BfA-Info nach ausgewählten Themen.

5. Sicherheitsregeln klein

Die Lebenswichtigen Regeln der Suva sind ein sehr gutes Hilfsmittel um Unfälle zu verhüten. Viele Regeln braucht es nicht, aber eine 100 prozentige Umsetzung in der Linie muss geschaffen werden.

Zusätzlich sind auch Regeln zu bestimmten Vorgehensweisen im Betrieb wichtig. Aus den Regeln können auch Arbeitsanweisungen für die Mitarbeiter entstehen.


6. Massnahmeplanung klein

Aus der Überprüfung von Massnahmen und laufenden Erkenntnissen aus Gefahrenermittlungen von neuen oder geänderten Tätigkeiten (Kontrollen auf Baustellen) und Risikobeurteilungen entstehen laufend Massnahmen, die umgesetzt werden müssen. Bei den Massnahmen braucht es immer einen Realisierungsverantwortlichen und einen Termin -> dokumentieren Sie diese. Die Massnahmen müssen immer dokumentiert und bei der Realisierung auch kontrolliert werden. Für die Ablage braucht es eine Unterschrift (Visum):

Die Ablage erfolgt erst nach vollständiger Erledigung der Massnahmen.


Massnahmen S T O P

Der KOPAS unterscheidet die Art der Massnahmen:

S für Substitution
Beseitigen oder Vermindern (Substitution) der Gefährdung durch Verbesserung der Konstruktion oder durch den Einsatz von weniger gesundheitsgefährdenden Stoffen. Diese Massnahmen entfernen das Risiko, neue Gefährdungen sind aber möglich.

T für technische Massnahmen
Technische Schutzmassnahmen werden gegen nicht zu beseitigende Gefährdungen eingesetzt. Sie setzen die Eintrittswahrscheinlichkeit herab und reduzieren allenfalls das Schadensausmass, sofern sie die gefahrbringende Energie eindämmen.


O für organisatorische Massnahmen
Organisatorische Massnahmen sind z. B. Ändern der Arbeitsorganisation, Arbeitszeitgestaltung, Schulung, Arbeitsanweisungen, Information über Restrisiken und Umgang mit diesen usw. Organisatorische Massnahmen reduzieren die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Gefährdungsereignisses. Das Schadenausmass bleibt unverändert.


P für personenbezogene Massnahmen
Personenbezogene Massnahmen sind z. B. das Tragen von Persönlichen Schutzausrüstungen, oder die Verbesserung der Qualifikation von Mitarbeitenden.

7. Notfallorganisation klein

Die Notfallorganisation auf der Baustelle (nicht ortsfeste Arbeitsplätze) ist schwieriger als im Büro, denn auf der Baustelle kann die Situation, um einen Verunfallten zu retten, täglich ändern. Der Notfallorganisation auf der Baustelle ist Sorge zu tragen. Es genügt nicht, einfach einen Notfallzettel, womöglich noch von der letzten Baustelle, im Polier-ordner zu haben.

Es kann mit einfachsten Mitteln z.B. Vorlagen der Suva oder auch mit internen Vorlagen pro Baustelle eine Notfallorganisation erstellt werden.

Bestellungen via Shop

Bei der Mitwirkung geht es für den Betrieb vor allem darum, das Wissen der Mitarbeitenden optimal zu nutzen und die Betroffenen zu Beteiligten zu machen. Gemeinsam getroffene Entscheidungen werden besser akzeptiert. Die Mitwirkung besteht hauptsächlich in der Information und Anhörung der Arbeitnehmer/innen. Der Arbeitgeber muss die Arbeitnehmenden über alle wesentlichen Begebenheiten, Neuerungen und/oder Änderungen bestimmter Sachbereiche informieren. Die Arbeitnehmer/innen haben das Recht, sich mit Fragen und/oder Anregungen an den Arbeitgeber zu wenden. Sie dürfen auch Vorschläge vorbringen. Die Mitwirkung wird unterstützt, wenn die Arbeitnehmenden auch eine Rückmeldung zu ihren Vorschlägen erhalten.

Sicherheits-Charta

9. Gesundheitsschutz klein

Was verstehen wir unter Gesundheitsschutz?

  • Unter Gesundheitsschutz verstehen wir das Verhüten von Krankheiten. Dies betrifft nach Statistik ca. 70% aller Absenztage der Mitarbeiter im Betrieb.
  • Als Berufskrankheiten gelten Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind.


Durchschnittliche Absenzen im Baubetrieb für AS&GS sind 4.5% der Arbeitszeit.

  • Gemäss Statistik Quelle: BFS - Arbeitsvolumenstatistik (AVOL) (2112 h / Jahr, ergibt dies 11.7 Arbeitstage pro Jahr).
  • Gemäss Statistik SUVA Klasse 41A für BUV (18.3%) und NBUV (11.7%) ergibt dies einen Anteil von 30% für Unfall-Absenzen.


Die Belastungen und Bedingungen im beruflichen Umfeld sind z.B.:

Um sämtliche Punkte im Sicherheitssystem zu beurteilen braucht es auch Kontrollen. Ein wichtiger Grundsatz ist:

Kontrollieren Sie nur was vorgängig informiert, instruiert und geschult wurde.

Dazu verwenden Sie z.B. Checklisten der Suva, die Sie für die Instruktion oder Information gebraucht haben. Die Lebenswichtigen Regeln sind sehr gut zu kontrollierende Punkte. Aber auch interne Kontrolllisten oder die Vorlagen der BfA (Hochbau / Tiefbau) können verwendet werden.

-> Wichtig ist nur, dass die Massnahmen und die Zuständigkeit auf dem Protokoll vermerkt werden (siehe Kap. 6 Massnahmenplanung).

Wie oft müssen wir Baustellenkontrollen durchführen?

Wenn wir als Vorlage die Unfallpyramide der Suva nehmen, ist ersichtlich, dass wir auf 100‘000 unsichere Handlungen 1‘000 Unfälle haben. Dies heisst nun, wenn Sie im letzten Jahr 9 BU hatten, wären dies 900 unsichere Handlungen. Bei einem Audit entdeckt man durchschnittlich 8-10 unsichere Handlungen pro Kontrolle -> Dies würde 100 Kontrollen pro Jahr benötigen, um alle unsicheren Handlungen aufzudecken.


Wichtig ist es deshalb auch, die Mitarbeiter laufend in die Kontrollen einzubeziehen und dies auch zu dokumentieren. Denn nur so können die Vorgaben der Kontrollen erreicht werden (Kapitel 5 Sicherheitsregeln, Lebenswichtige Regeln).